|
Wie Zeus Europe entführte
Der Herrscher über die phönikische Stadt Sidon, König Agenor, hatte drei Söhne (Phoenix, Kilix und Kadmos), jedoch nur eine einzige Tochter, nämlich Europe. Sie war das schönste Mädchen auf Erden. Nur die unsterblichen Göttinnen konnten sich mit ihr vergleichen. Froh und sorglos spielte Europe mit ihren Gefährtinnen auf den grünen Auen rings um Sidon. Eines Nachts jedoch erlebte sie einen Traum, der sie sehr beunruhigte. Sie sah, wie der Kontinent Asia und ein Teil davon, den ein Meer von Asia trennte, sie in zwei Frauen verwandelte, die eine älter, die andere jünger. Beide Frauen begannen um Europe zu kämpfen. Jede von ihnen trachtete sie an sich zu bringen. Die ältere Frau Asia wurde von der jüngeren besiegt... Dieser ungewöhnliche Traum erschreckte Europe. Beunruhigt bat sie die Götter, sie vor den Unheil zu bewahren, das ihr durch den Traum verkündet worden war. Einige Tage vergingen. Europe widerfuhr nichts Schlimmes. Sie begann wieder mit ihren Gefährtinnen zu spielen. Eines Morgens ging sie mit ihnen zu einer der schönsten Wiesen, wo saftiges Gras wuchs und wo die Herden ihres Vaters weideten. Sie lief über die Wiese, pflückte Blumen, wand Kränze daraus, setzte sie sich auf den Kopf, und ihr Lachen erklang weit in der Runde. Es war, als sängen auch die Vögel lieblicher als sonst, und Helios übergoß alles mit seinen goldenen Strahlen. Von den Höhen des Olymps herab blickte der allmächtige Zeus. Er sah Europe auf der grünen Aue und war sogleich von ihr bezaubert. Also beschloß er, sie zu entführen. Doch wie sollte er es anstellen, ohne Europe und ihre Gefährtinnen zu erschrecken? Er verwandelte sich in einen schneeweißen Stier und mischte sich unbemerkt unter die Herde des Agenor.Sorglos sprangen die Mädchen auf der Wiese umher, Doch als sich Europe ein wenig von ihren Gefährtinnen entfernt hatte, um eine Blüte von einem großen Pfingstrosenstrauch abzupflücken, näherte sich ihr der Stier, sanft und friedfertig blickend. Europe begann ihn zu streicheln und sein schneeweißes Fell zu kraulen. Sie war über die langen, mondsichelartig gekrümmten Hörner entzückt. Zutraulich legte sich der Stier zu Europens Füßen nieder, und sie ergriff ihn bei den Hörnern, setzte sich fröhlich auf seinen breiten Rücken. Da erhob sich das Tier ganz langsam, kam wieder auf die Beine, und Europe wollte sich ausschütten vor Lachen. Doch plötzlich rannte der Stier wie ein Wirbelwind zum Meer. Europe brach in Tränen aus, ihre Gefährtinnen schrien auf, als der Stier ins Meer sprang und rasch wie ein Fisch in dem grenzenlos blauen Wasser dahinschwamm. Vor Schreck klammerte sich Europe an seinen Hörnern fest. Die Meereswellen glätteten sich vor dem Tier, das immer schneller westwärts strebte. Aus den Tiefen kamen die wunderschönen Nereiden hervor und sangen zärtliche Lieder. Gott Poseidon, selbst begleitet von allen anderen Gottheiten des Meeres, fuhr im Streitwagen über die Wellen dahin, den Dreizack drohend erhoben, auf daß der Weg frei war für seinen großen Bruder, den blitzeschleudernden Zeus. Da kamen die stürmischen Winde zur Ruhe, und nur ein schwaches Lüftchen ließ das goldene Haar der Europe weben, und rings umher waren das unendliche Meer und der blaue Himmel... Doch schließlich begann sich in der Ferne die Küste der Insel Kreta abzuzeichnen. Dorthin wendete sich der Stier, und er erreichte sie alsbald. Er stieg aus dem Meer, sprang ans Ufer und ließ Europe absteigen. Während sie ihr vom Wind zerzaustes Haar ordnete, verschwand der Stier, und Zeus in seiner ganzen Erhabenheit stand vor ihr. Europe wurde die Geliebte des Gottes. Sie gebar ihm drei Söhne: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon, deren Ruhm sich später über die ganze Welt verbreitete.
Das Sternbild Stier erinnert an jene Tat des Zeus und die schöne Jungfrau. Europe, die er entführt und auf die Insel Kreta gebracht hatte. Doch Europe war nicht nur schön. Sie hatte auch einen guten Charakter, sie liebte die Menschen und half ihnen, wo sie nur konnte. Und die Menschen verehrten sie so sehr, daß sie einem ganzen Kontinent ihren Namen gaben. Die Magie des Stieres
Manche halten ihn für behäbig, andere lieben seine sinnliche Freude am Tafeln und Verwöhnen. In seiner Gegenwart, so scheint es, darf sich jeder geborgen fühlen. Der Stier fängt unerschütterlich ab, was beunruhigen könnte. Aber da ist auch die Kehrseite: Er kann so unbeweglich sein, wie ein Fels in der Brandung, stur störrisch und durch nichts umzustimmen, wenn er einmal seine Meinung gefaßt hat. Und wehe jemand hört nicht auf dagegen anzurennen; dann kann er ganz schön wütend werden. Das ist ja das Betörende am Stier: Er hat die Kraft, andere nieder zu walzen, wenn man ihn reizt; wenn man ihn aber in Ruhe läßt, wird er ganz friedvoll andere um sich scharen, genießerisch in die Sonne blinzeln und nicht einen Gedanken an Stierkämpfe verschwenden.
Auf wen er fliegt:
Steinböcke und Jungfrauen sind Idealpartner; er braucht Menschen, die häuslich, vernünftig und verläßlich sind, etwas richtig solides. Wenn diese Basis stimmt, wird er alles tun um seinen Partner aus der Reserve zu locken, denn das macht ihm richtig Spaß, weil er derjenige ist, der noch in den nüchternsten Menschen Romantik und Sinnlichkeit erweckt. Darum fühlt er sich auch von Fischen und Krebsen angezogen, die gern verwöhnt sein wollen und sich seiner Führungsstärke bereitwillig unterwerfen. Im Prinzip fliegt er auf Jeden, der bei Tisch mit ihm lacht und ihn nicht ausnutzen will.
Wie man ihn verführt:
Das Höchste für einen Stier ist eine gefüllte Speisekammer. Wer kochen kann und auch dieses mit Hingabe tut, erobert sein Herz im Sturm. Ansonsten: Klugheit betört ihn – sofern man ihm das Gefühl läßt, daß er/sie noch ein wenig klüger ist. Dominiert werden mag der Stier nicht; er möchte auch nicht in der Liebe gedrängt werden. Aber er fliegt auf alles, was gemütlich, erdig und warm wirkt, steht auf blumiges Parfüm und schnörkellose Kleidung. Er ist begeistert, wenn jemand aufs Geld schaut und im Stande ist, den Traum vom eigenen Haus mit ihm gemeinsam zu realisieren. Falls ein Stier derbe Witze erzählt, lachen, nicht pikiert sein; er ist feinnerviger, als er sich manchmal gibt.
Wie der Stier liebt:
Er ist von der Venus beherrscht, dem Symbol für Verführung und Lebensgenuß. Das andere Geschlecht zieht Stiere magisch an, aber sie rennen niemanden nach. Wenn er sich verliebt hat, könnte es sein, daß er ihnen täglich kleine Überraschungen bereitet und das heißt, daß es ihm ernst ist, niemand kann das noch verhindern. Es gibt öfter Krach? Sie können einen Stier anschreien, mit Wasser übergießen, oder mit Fäusten traktieren – er wird noch lauter und wütender als Sie und schließlich werden Sie klein beigeben. Er liebt halt störrisch, aber dafür liebt er ewig. |
|