|
Die Anfänge des Lübecker Rotweinhandels gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Damals kamen die ersten Koggen der Hanse an die französische Westküste und brachten Bordeaux-Weine mit. Bedeutung gewann der Weinhandel jedoch erst 1530, als der Lübecker Kaufmann Thomas Bugenhagen der Überlieferung nach als erster begann, Rotwein im größerem Maße einzuführen. Er soll seinen Lagermeister beauftragt haben, den Wein reifen zu lassen, "damit seine guten Eigenschaften sich voll entwickeln und der Wein nicht laut und heftig, sondern fröhlich und gesellig macht". Seit dieser Zeit, und verstärkt vom 17. Jahrhundert an, wird französischer Rotwein in Lübeck "veredelt". Die erstaunliche Qualitätsverbesserung als Folge der Lagerung in Lübecker Weinkellern wurde zuerst im Jahre 1806 durch französische Offiziere erkannt. Nachdem Napoleons Armee die Stadt Lübeck besetzt hatte, fanden die Offiziere, daß ihnen der Bordeaux aus Lübecker Weinkellern erheblich besser mundete als daheim. Man wollte der Sache später auf den Grund gehen. In Bordeaux wurden die gleichen Weine in mehrere Fässer abgefüllt. Einige blieben in Bordeaux, andere wurden nach Lübeck gebracht und dort eingelagert. Nach einer angemessenen Zeit der Reife und Lagerung ergab eine Weinprobe, daß die französischen Offiziere sich nicht geirrt hatten. Eine Erklärung dafür gibt es allerdings bis heute nicht. Man kann nur vermuten, daß das Lübecker Klima und damit die Temperatur in den Lübecker Weinkellern dem Bordeaux besser bekommt. Woher nun aber der Name Rotspon? "Spon ist der niederdeutsche Ausdruck für "Span" - Holzspan. Rotspon war also ursprünglich Rotwein aus Holzfässern. Der mecklenburgische Mundart - Dichter Fritz Reuter, selbst ein Freund des Lübecker Rotspon, sorgte mit seinen humorvollen Versdichtungen dafür, daß die Bezeichnung "Rotspon" in ganz Deutschland bekannt wurde.
Als im Jahre 1806 Lübeck von den Franzosen besetzt war, bedienten sich die Soldaten ausgiebig in den Kellern, weil ihnen der Rote hier besser gefiel als zuhause. Napoleon soll verwundert gefragt haben, wie ein französischer Wein aus Lübeck besser schmecken könne als in Frankreich selbst. Joh. Matthäus Tesdorpf – zu der Zeit Bürgermeister der Stadt- ließ dem Kaiser einige Kisten seines Rotweines schicken und erhielt von Napoleon zwar keine Bezahlung, aber ein höfliches Dankesbillet.
Anbaugebiet: Pays d'Oc Rebsorte: Syrah/Merlot/Carignan/Cabernet Sauvignon
Der Rotspon ist entstanden durch den Hering. - Diese Feststellung erstaunt sicherlich.
Richtig ist, daß die Lübecker Hanse mit ihren Koggen einen erheblichen Verkehr zwischen den Heringsfischern einerseits und Lübeck, andererseits aber auch den Salzlagern an der Biskaya-Küste durchgeführt hat. Zur Haltbarmachung des Herings mussten grosse Mengen Salz in Fässern herangeschafft werden.
Anfangs nur als Beifracht wurden auf den Hansekoggen Fässer mit rotem Bordeaux-Wein geladen. Die Fässer färbten sich während des Transports rot. Die Bezeichnung als roter Holzspan (ein rotes Stück Holz) wurde im Niederdeutschen als 'Rotspon' (roter Span) eingeführt. Es war dann eben der 'win ut`n rotn spon' und wurde dann verkürzt zum 'Rotspon' als Bezeichnung für den Rotwein, was alsdann allgemein akzeptiert worden ist.
Mit zunehmender Beliebtheit erweiterte sich der Zulieferkreis von Lübeck zunächst einmal in die Umgebung, dann immer weiter über Norddeutschland hinaus in das Liefergebiet der Hanse.
Noch heute bezeichnet der Lübecker Rotspon einen Wein französischem Ursprungs, der in Lübeck bis hin zur Abfüllung in Flaschen vorgelagert wird. Der Rotspon ist im Seeklima vorgeprägt, er reift alsdann in den norddeutschen Speichern, bis er zur Abfüllung gelangt. Dabei bezeichnet der Rotspon eine immer noch allseits beliebte Rotweinart.
Probieren Sie ruhig einmal. Weingeniesser und Weinsammler kennen ihn.
Er funkelt im Glas dunkelrubinrot und verströmt einen animierenden Duft nach süßen Kirschen, zu dem sich Nuancen firscher mediterraner Kräuter gesellen. |
|